Kottwitz


Schlesiertreffen 1995

Schlesiertreffen am 4. Juni 1995 in Wellerswalde

Durch die Flucht aus ihrer Heimat im Jahre 1945 sind viele Schlesier nach Wellerswalde gekommen. Die meisten kamen aus Kottwitz oder einem der benachbarten Dörfer.

Postkarte von Kottwitz Postkarte von Kottwitz
Allgemeine Informationen:
Das Dorf Kottwitz liegt im Kreis Freystadt in Niederschlesien.
Es ist slavischen Ursprungs und der Name heißt zu Deutsch Kessel.
Bereits im 13. Jahrhundert ließen sich die Deutschen hier nieder.

Im Jahre 1945 zählte Kottwitz 431 Einwohner.

Man kannte zwei Rittergüter:
den Ober-Hof und den Mittel-Hof.

Im Dorf gab es kleine und mittlere Landwirtschaften, Handwerker und Gewerbetreibende.

Schloss Ober-Kottwitz
Schloss Mittel-Kottwitz

So gab es:

2 Windmühlen, 2 Schmieden,
2 Stellmacher, 1 Tischler,
1 Sattler, 1 Schneider,
3 Schuhmacher, 1 Bauunternehmen,
1 Zimmerei, 1 Fahrradhändler,
2 Kolonialwarenläden, 1 Fleischer,
1 Bäcker, 1 Hausschlächter,
1 Gärtner und 2 Gastwirtschaften.

Die Flucht:

Keiner der Kottwitzer Bewohner hatte jemals daran gedacht, dass er einmal seine Heimat verlassen, ja sogar verlieren wird, bis der Kriegswinter 1945 kam.

Am Morgen des 13. Februar 1945, als das Schießen immer lauter wurde und die Geschosse über das Dorf pfiffen, zogen die ersten Kottwitzer los in Richtung Westen. Die wichtigsten Habseeligkeiten wurden zusammen mit Essen und Trinken sowie Futter für das Vieh auf Wagen geladen. Für mehr war keine Zeit und kein Platz. Einige vergruben Wertgegenstände, Papiere und Konserven in der Erde oder in der Scheune, weil sie mit einer Wiederkehr rechneten.

Der Flüchtlingstreck, bestehend aus Kindern, Frauen und alten Männern, bewegte sich über Naumburg nach Bobersberg, wo der Bober überquert wurde. Die Straßen waren voller Flüchtlinge zu Fuß und mit Gespannfahrzeugen. Für die Nächte mussten Quartiere in den am Wege liegenden Orten gesucht werden. Viele Soldaten waren dort untergebracht, so dass die meisten in Ställen und Scheunen unterkommen mussten. Extra eingerichtete Treckleitstellen sollten die Flucht koordinieren.

Anfang März wurde die Elbe bei Lorenzkirch erreicht. Über eine Behelfsbrücke, über die immer nur ein Gespann durfte, wurde der breite Fluß überquert. Von Strehla ging es über Bornitz nach Lonnewitz zur nächsten Treckleitstelle. Von dort aus wurden die Kottwitzer nach Wellerswalde geschickt.

Angekommen:

Müde, hungrig, krank und um einiges ihrer persönlichen Habe unterwegs bestohlen, kamen sie in Wellerswalde an. Der Bürgermeister wies ihnen Quartier und Unterstand für das Vieh zu. Sie wohnten beengt, hatten nichts zum Heizen und mussten um etwas zu essen bitten.
Im Wellerswalder Schloss wohnten 26 schlesische Familien. Viele zogen später weg, aber viele blieben, heirateten, bekamen Kinder und bauten sich ein neues Haus.

Etliche, die das gleiche Schicksal teilten, hielten miteinander Verbindung.
Nach 50 Jahren am 4. Juni 1995 gab es in Wellerswalde das erste große Wiedersehen!

G. Röhr